natürlicher lebensraum – Café in Berlin-Moabit

Moabit, mon amour. Für das erste Interview auf dem Blog hätte ich mir keine bessere Gesprächspartnerin als Antje Menz wünschen können, denn diese Frau liebt ihre Arbeit, ihr Café und Moabit. Manchmal trifft man auf Menschen, die einem Schwung für den ganzen restlichen Tag mitgeben: Sie ist einer davon.

Hilton, Adlon, Turmstraßenkiez

Am 1. April 2013 eröffnete sie ihr Café natürlicher lebensraum in der Jonasstraße 7. Wie sie nach Moabit kam und aus welchem Grund sie gerade hier ihre Vision vom eigenen Café in die Wirklichkeit umsetzte, ist eine Erfolgsstory mit interessanten Stationen. Hilton, Ägypten, Adlon – ein Weg, der Antje völlig stringent nach Moabit führte.

Die Geschichte vom natürlichen lebensraum und seiner Inhaberin ist fast zu schön, um wahr zu sein. “Mein eigenes Café zu haben war schon seit ich denken kann mein Wunsch. Das stand auch in unserer Abizeitung damals, weil ich es schon zu Schulzeiten allen erzählt habe.” Auf die Nachfrage, ob sie das wirklich schon so lange geplant habe, lacht sie: “Ja. Einige Gegenstände, die jetzt hier im Café verwendet werden – Tassen, Teller und Regale – habe ich schon als Teenager gekauft.”

Nach dem Abi war die nächste Station auf dem Weg zum eigenen Café das Hilton. “Ich habe eine tolle Ausbildung genossen.” Sie ließ sich zur Restaurantfachfrau ausbilden und machte später  ein Managementtraining im Adlon. Das Baristahandwerk lernte sie vom Latte-Art-Trainer und damaligen Barchef Mohamed Mohamed in der Berliner Kaffeerösterei, die “einfach den besten Kaffee in Berlin rösten”. Antje bezieht ihren Kaffee von dort.

Ägypten? Moabit!

Nach der Ausbildung war Antje Menz für einige Zeit in Ägypten. Es gefiel ihr dort gut, aber ihre Familie fehlte ihr. Ein Glück für Moabit. Denn dorthin führte es sie, als sie zurück nach Berlin kam und mit drei Mitbewohnern eine WG gründete. Sie kaufte weiterhin Ausstattung für das Café, von dem sie immer noch träumte. Und sie schrieb ganz pragmatisch und realistisch einen Businessplan, den sie so ziemlich allen Berliner Banken vorlegte, um einen Kredit aufzunehmen.

Cafés in Berlin

Wenn man Antje kennen lernt, merkt man sofort, dass sie für dieses Café wirklich brennt. Bei den Banken konnte sie ihre Vision eines Café in Berlin deshalb auch gut verkaufen. Fast einstimmig bezeugte man ihr, das sei ein herausragendes Konzept. Ein Berater der Berliner Bank zählt seit der Eröffnung zu ihren Stammkunden. Im Gegensatz zu ihm war sein Vorgesetzter leider – wie die Entscheider aller anderen Banken – der Meinung, ein solches Schmuckstück könne in Moabit nicht funktionieren, sondern sahen das Café in Mitte, Charlottenburg oder Friedrichshain.

Antje Menz ließ sich nicht beirren: Durch das grundsätzlich gute Feedback zum Konzept ermutigt, erfuhr sie zum Glück von den Existenzgründerkrediten der IBB (Investitionsbank Berlin). Die IBB unterstützt Projekte, die andere Banken es bereits für gut befunden haben, ohne jedoch wie diese auf Bezirksbindung zu bestehen. Ein Glück für Moabit. Und ein Glück für Antje, die nun wieder nach einem Ladenlokal in Moabit Ausschau halten konnte, und die von den Banken empfohlene Suche in Charlottenburg und Mitte zum Glück aufgab.

Das Café in Moabit: Kaffee und Kuchen 7 Tage die Woche

Anfang Januar 2013 begann Antje, das Lokal in der Jonasstraße 7 mit Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Freunde zu renovieren. Wände wurden eingerissen, Durchgänge vergrößert, der Stuck erneuert, Möbel restauriert – und schließlich auch die gesamte Innenausstattung nach ihren eigenen Vorstellungen und Ideen gestaltet. Endlich kommen all die schönen Dinge und Objekte zum Einsatz, die sie seit ihrer Kindheit gesammelt und erworben hat. Und seit der Eröffnung backt Antje jeden Tag bis zu 15 Kuchen (oder auch mehr) sowie Kekse und Quiche. Denn das Konzept “Kaffee und Kuchen – sonst nichts” war ihr ebenso bereits seit ihrer Kindheit klar.

Natürlicher Lebensraum?

Der Name des Cafés klingt nach Bio und Natur, hat aber eine andere ganz natürliche Bewandtnis. Nach dem Besonderen ihres Cafés befragt, antwortet Antje: “Es sind die Menschen, die den Raum lebenswert machen. Und das hat von Anfang an funktioniert. Die ersten Gäste kamen hier rein und alles war so, als ob es den Laden schon ewig gebe. Das habe ich mir immer gewünscht. Aber dass es auch genau so funktionierte, überraschte mich dann doch fast ein bisschen.”

Natürlicher Lebensraum ist es auch für sie selbst. Moabit als Standortwahl war für Antje auch deshalb die natürliche Entscheidung, weil viele ihrer Freunde hier wohnen. “Selbst Schulfreunde aus Potsdam, die irgendwo in Deutschland studiert haben und dann zurück nach Berlin kamen, zogen nach Moabit. Moabit ist die günstige Mitte.”

Moabit, mon amour?

Das kann Antje bestätigen. Ihr gefällt es hier, weil hier viele Menschen leben, die ihr am Herzen liegen. Und ständig kommen neue hinzu. Das freundliche multikulturelle Miteinander mag sie ebenso wie die Vielfalt des guten Essens, die ihres Erachtens Moabit prägt.

Ich stelle die Hypothese auf, ein richtig eigener Kiez sei der ‘Markthallenkiez’ ja noch nicht. Antje antwortet, sie fühle sich sowohl zum Turmstraßenkiez gehörig als auch dem Westfälischen Viertel (im Grunde ist die Jonasstraße ja die Verlängerung der Krefelder und umgekehrt) und dem Elberfelder Kiez verbunden. Aus Letzterem finden laut Antje auch viel zu ihr “herüber” – also über die Turmstraße. Einige der Gäste aus dem Elberfelder Kiez kennt sie sogar noch aus Adlon-Zeiten.

Gentrifizierung oder gewachsenes Miteinander

Abschließend sprach ich mit Antje noch über die Entwicklung von Moabit im allgemeinen. Schon bei der Formulierung “Moabit ist die günstige Mitte” – relativierte sie: “Es ist zu hoffen, dass das einigermaßen so bleibt.” Denn es ist eindeutig eine langsame, stetige Entwicklung zum Positiven zu sehen. Die Häuser werden schöner, das Angebot an Läden, Cafés und anderer Gastronomie ebenfalls. “Im Laden diskutieren die Gäste häufig über Gentrifizierung in Moabit. Ich hoffe natürlich, dass das nicht passiert.” Ich hoffe das ebenfalls. Denn das Publikum im Café ist so bunt gemischt, wie Moabit es nun mal ist. Ungeachtet Alter, kulturellem und sozialem Hintergrund treffen sich Menschen im natürlichen lebensraum, denen der Sinn nach schönem Ambiente steht und die einen hohen Anspruch an Kuchen und Kaffee haben. Genießen kann man beides draußen, im Gastraum oder in der Küche, in der man ebenfalls sitzen und Antje beim Backen zuschauen kann. Back- und Kaffeekurse soll es übrigens auch bald geben.

Erfolg von Anfang an

Kaffee und Kuchen in einem liebenswerten und sympathischen Ambiente: Das Konzept des natürlichen lebensraums kommt an und erfreut sich jetzt schon einer guten Stammkundschaft. Aber Antje ist nicht nur eine Frau, die einen Jugendtraum verwirklich hat, sondern auch eine kluge Unternehmerin. Über neue Gäste, auch aus anderen Bezirken, freut sie sich also sehr. Jeder wird von ihr und ihrem Team – Mo und Steph – gleichermaßen herzlich empfangen. Und ich finde: Der natürliche lebensraum hat jeden einzelnen Kunden verdient.

Geöffnet ist das Café jeden Tag von 10 bis 18 Uhr 8 bis 20 Uhr (neue Öffnungszeiten seit Juni 2014). Die Kuchen werden jeden Tag frisch gebacken. Kuchen zum Mitnehmen und ganze Kuchen auf Vorbestellung gibt es ebenso. Sonntags Pancakes!

natürlicher lebensraum – Kaffee & Kuchen
Antje Menz
Jonasstraße 7
10551 Berlin
Tel.: 0173 6327829